Warum nachhaltiger Konsum nicht funktioniert - Wirklich?

Warum nachhaltiger Konsum nicht funktioniert, und dennoch „alles im grünen Bereich“ ist

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Einerseits wollen wir besonders nachhaltig leben, andererseits auf nichts verzichten. Diesen Widerspruch greift der Artikel von Peter Carsten zum Thema nachhaltiger Konsum auf und behauptet deshalb geradeheraus: Nachhaltiger Konsum funktioniere per se nicht. Das ist wie ein Finger in der Wunden eines jeden vermeintlich ökologischen Lebenden. Wir wollen seine 14 Thesen deshalb genauer unter die Lupe nehmen und ein vielleicht etwas optimistischeres Bild zeichnen.

Unsere ambivalente Gesellschaft will nachhaltiger konsumieren

Wir fliegen zu viel, haben zu hohe Lebensstandards und unsere Bioprodukte sind eigentlich gar nicht so Bio. Prinzipiell zeichnet der Artikel ein ernüchtertes Bild einer Gesellschaft, in der die einen ihren Lebensstil für eine faire und nachhaltige Gesellschaft umkrempeln, während die anderen mit imposanter „Mir-doch-egal“- Einstellung all diese Versuche zunichtemachen.

Kurzum werden die eingesparten Ressourcen auf der einen Seite durch den überschwänglichen Lebensstil anderer wieder verbraucht.

Steigende Ansprüche der Konsumenten, verschwenderisches Verhalten und der Mangel an „echten grünen Produkten“ verhindern einen umweltfreundlichen Lebensstil.

Wir leben also in einer Welt voller Möglichkeiten, aber ohne echte Alternativen. Denn egal wofür wir Geld ausgeben, in irgendeinem Bereich scheint immer ein Schaden zu entstehen.

Und wer hat Schuld? Allen voran die Politik.

Fliegen passt nicht zu einem nachhaltigen Konsumenten

Politiker in der Verantwortung

Laut Carstens haben Konsumenten nämlich keinen Einfluss mehr auf politische Rahmenbedingungen. Vielmehr seien die Konsumenten hilflos ihrem Konsumwahn erlegen, ohne die Konsequenzen tragen zu wollen.
An dieser Stelle sollte jedoch auf eine sehr wahre Aussage des Autors hingewiesen werden. Politiker sollten zur Verantwortung gezogen werden, wenn es um die Preisbildung insbesondere bei Lebensmitteln geht. Müsste man schon heute die wahren Kosten statt der von Billigfleischfabriken und Co. an der Supermarktkasse bezahlen, wäre der ein oder andere Konsument erstaunt, welche Preise hier genannt werden würden.

Zusätzlich sollten aber nicht nur Politiker für einen nachhaltigen Konsum einstehen, sondern eben genau die Wirtschaftsriesen, die Umwelt und Zukunft ihrem eignen Profitstreben unterordnen.

David gegen Goliath: die Möglichkeiten von Konsumenten

Doch genau an dieser Stelle vergisst der Autor einen wichtigen Faktor: immer mehr kleine Unternehmungen, Social Businesses und Start-ups haben es sich zur Aufgabe gemacht, unsere Gesellschaft und unseren Konsum ein kleines bisschen besser und nachhaltiger zu gestalten. Sei es durch Spenden an Organisationen, Plattformen, die das Teilen von Ressourcen vereinfachen oder Apps, die einen nachhaltigeren Alltag vereinfachen – alle arbeiten Stück für Stück an einer besseren Welt.

Start-ups arbeiten vielfach an nachhaltigen Lösungen für vielfältige Probleme

Im Gegensatz zu Carstens These „Wer viel verdient, schädigt die Umwelt mehr“, kann man also auch Gutes tun, indem man genau diese Ideen unterstützt und damit mögliche Innovationen hin zu einer grüneren Gesellschaft antreibt. Weiterer positiver Nebeneffekt: wer nicht so viel Geld hat, kann sich Dank der sich ausbreitenden Sharing-Kultur noch einfacher auf einen nachhaltigen Lebensstil einlassen – ohne großen Verzicht. FairMeals ist dafür das passende Beispiel.

Dank dieser Bewegung, die dem Konsumentenverhalten entspringt, sind erste Grundstrukturen einer nachhaltigen Gesellschaft gegeben und das ganz ohne politische Rahmenbedingungen. Je größer diese Bewegung also wird, desto mehr bleibt zu hoffen, dass das auch bei der Regierung ankommt und damit ebenso „die großen Unternehmen“ beeinflusst werden.

Bio ist nicht gleich Bio

Das wiederum steht in Wechselwirkung mit „supermarktigen“ Biolebensmitteln und Co. Das Bio-Sortiment altbekannter Supermarktketten scheint von Jahr zu Jahr zu wachsen. Das liegt definitiv nicht an politischen Vorgaben, sondern an unserem Konsumverhalten. Dennoch gilt: Bio ist nicht gleich Bio. Wer beim Anblick der zahlreichen Gütesiegel immer mehr den Überblick verliert, ist definitiv nicht alleine.
Hier würde ein große Portion Transparenz helfen, damit die Konsumenten erkennen können, woher und unter welchen Bedingungen die Produkte hergestellt wurden.

Es gibt zahlreiche Bio-Zertifikate und jedes drückt etwas anderes aus.

Was brauchen wir wirklich?

Fakt ist, dass unsere Ansprüche an unseren Lebensstil in den vergangenen Jahrzehnten gewaltig gewachsen sind. Das betrifft unsere Reisen, unsere Ernährung, unseren Komfort, etc… Die Liste scheint endlos. Aber ebenso umfangreich sind die Möglichkeiten, hier und da auch mal einen kleinen Abstrich zu machen oder anderen etwas Gutes zu tun.

Es sind schon kleine Schritte, die gemeinsam eine große Wirkung entfalten können.

Aber können wir uns wirklich vorstellen, zu verzichten? Verzicht und eine nachhaltige Lebensweise scheinen unweigerlich miteinander verknüpft zu sein. Inzwischen finden sich zahlreiche Blogger und andere Mitmenschen, die sich einem sogenannten zerowaste-Lebensstil verschrieben haben. Diese machen vielleicht nicht die große Mehrheit aus, führen einem jedoch eine Möglichkeit der gelebten Nachhaltigkeit vor Augen. Der Verzicht auf gewisse Dinge, vor allem auf Plastik und Einwegverpackungen, scheint umständlich. Jedoch finden sich inzwischen Alternativen für nahezu alle alltäglichen Helfer wie beispielsweise Küchenrolle oder Frischhaltefolie. Bewusster Konsum? Gerne. Ein Herunterschrauben des gewohnten Lebensstils? Wohl kaum.

Sharing- und Kreislaufwirtschaft als Lösung?

Carstens will vermitteln, dass Nachhaltigkeit und Konsum nicht vereinbar seien. Stattdessen sieht er den einzigen Ausweg darin zu verzichten. Dabei sollte man differenzieren, denn die wirtschaftliche Faustregel lautet: Ohne Konsum keine Investitionen, ohne Investitionen kein Fortschritt. Sollten wir nicht also in grüne, neue Unternehmen investieren, damit der Wandel vorangetrieben wird? Das würde wiederum Konsum voraussetzen.

Diese Idee könnte durch Sharing-Konzepte und Kreislaufwirtschaften ergänzt werden. Das bedeutet Konzepte und Institutionen auf lokaler Ebene zu schaffen, die das Teilen von beispielsweise Lebensmitteln, Werkzeugen aber auch Kenntnissen ermöglichen und alte Dinge zu recyceln oder zu reparieren. Das hätte nicht nur ökonomische Vorteile, sondern fördert auch das Bewusstsein als (grüne) Gemeinschaft.

Zum Glück verbreiten sich genau solche Plattformen und Einrichtungen immer weiter in Deutschland, sogar europaweit.

Auch wenn’s nicht jedermans Sache ist. Dinge selbst reparieren wird wieder Trend und gehört zu einem nachhaltigen Leben.

Was also fehlt, sind nicht unbedingt Politiker*innen, die in die wirtschaftlichen Prozesse eingreifen, sondern vielmehr ein Verantwortungsbewusstsein in der breiten Gesellschaft. Wir können etwas verändern, wenn wir uns selbst an die Nase fassen und diejenigen unterstützen, die sich für eine nachhaltige Veränderung einsetzen.

Denn genau das ist unser Vorteil: Während andere sich in der Theorie den Kopf zerbrechen, fangen wir einfach an und genießen und retten die Welt.

 


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