Die 10 größten Mythen über den Welthunger

Zehn Mythen über den Welthunger

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In schwierigen Zeiten neigen wir Menschen dazu, Dinge stark zu vereinfachen. Meistens wird eine solche Sicht der Komplexität eines Problems jedoch nicht gerecht. So verhält es sich auch mit dem Welthunger. 10 tief in uns verwurzelte Mythen tragen dazu bei dieses Problem falsch zu betrachten und dadurch ineffektiv anzugehen.

1. Mythos: Zu wenig Essen. Zu viele Menschen

Die richtige Antwort wäre: Überfluss, nicht Mangel beschreibt am besten unsere weltweite Lebensmittelsversorgungssituation. Obwohl sich die Weltbevölkerung zwischen 1961 und 2013 mehr als verdoppelt hat, produzieren wir derzeit 50% mehr an Lebensmitteln pro Person. Das ist so viel, dass davon wiederum ⅓ als Lebensmittelüberschuss in der Tonne landet.

Selbst wenn wir grob die Hälfte allen Getreides und das meiste Soya-Protein als Tiernahrung und für nahrungsmittelfremde Produkten verwenden, produzieren wir immer noch genügend, um jeden Menschen auf der Erde mit 2.900 Kalorien täglich versorgen zu können. Unser Kalorienbedarf wäre damit ausreichend gedeckt.

Kein Mensch müsste hungern!

Genügend Kalorien. Wenig Nahrhaftes.

Die tägliche Kalorienaufnahme wäre somit gesichert. Um die Nahrhaftigkeit steht es weniger gut, denn weltweit sinkt die Qualität des Essens stetig. Legt man den Kalorienmangel-Standard der UN zugrunde, leidet etwa jeder 9. Mensch weltweit an Hunger. Das sind etwas über 800 Mio. Menschen. Betrachtet man jedoch zusätzlich den Nährstoffmangel, erhöht sich diese Zahl auf etwa ¼ der gesamten Weltbevölkerung.

Somit ist nicht der Lebensmittelmangel das Problem, sondern ein Demokratiemangel, der verhindert, dass Menschen einen Zugang zu nahrhaftem Essen erhalten. Will man also gegen den weltweiten Hunger kämpfen, bedeutet das eigentlich, gegen Macht- und Wirtschaftskonzentrationen vorzugehen, um neue, gerechte Strukturen zu schaffen.

Andernfalls wird es weiterhin Hunger geben, egal wie viele Lebensmittel wir herstellen.

2. Mythos: Durch den Klimawandel ist         Nahrungsmittelknappheit unvermeidbar

Klimawandel ist kein Mythos. Ernteverluste durch Hitzewellen oder Überschwemmungen sind bereits heute an der Tagesordnung. Bis 2030 soll dennoch die Lebensmittelverschwendung ein bisher ungekanntes Hoch erreichen: 2,1 Mrd. Tonnen an Lebensmitteln sollen dann verschwendet werden. Derzeit sind es etwa 1,6 Mrd. Tonnen pro Jahr. Gleichzeitig soll die Zahl der unterernährten Kinder um 24 Millionen oder um ⅕ im Jahr 2050 höher liegen, als es ohne Klimawandel der Fall wäre. Diese Zahlen sind zwar ein starker Handlungsmotivator, belegen jedoch nicht, dass Welthunger ein vermeidbarer Zustand ist.

Deshalb sollten wir unseren Blick auf die Veränderungsmöglichkeiten richten. Das globale Nahrungsmittelsystem ist derzeit ein Beispiel für Ineffizienz und ungerechte Verteilung. Wir haben also jede Menge Handlungsspielraum, um die Nahrungsmittelversorgung zu verbessern, bevor wir die natürlichen Versorgungsgrenzen erreichen, die unser Planet uns vorgibt.

Wie wir Lebensmittel derzeit produzieren, verstärkt das Problem

Glücklicherweise eignen sich Veränderungsansätze, die den Klimawandel einbeziehen auch am besten für die hungernden Menschen auf der Welt, für die Verbesserung der Gesundheit und die Umwelt als Ganzes. Würde man den gesamte Lebensmittelproduktionszyklus einer Generalüberholung unterwerfen, könnte man den Kohlenstoffkreislauf durch verringerten Kraftstoffausstoß entlasten und mehr Kohlenstoff im Boden einlagern. Umweltfreundliche Anbauweisen sind kostengünstig und kommen besonders Kleinbauern und Landarbeiter zugute, die in der Mehrzahl zu den hungernden Menschen gehören.

Während Klimaveränderungen unvermeidbar scheinen, können wir ihre Auswirkungen sehr wohl beeinflussen. Indem wir die groben Ungleichheiten und Ineffizienzen unseres Lebensmittelsystems korrigieren, können wir dafür sorgen, dass trotz Klimawandels niemand hungrig zu Bett gehen muss.

3. Mythos: Nur die Agrarindustrie und große Erzeugerbetriebe können die Welt versorgen

Die Agrarindustrie basiert zum großen Teil auf patentiertem Saatgut (Anm.: in den USA), industriell hergestellten Düngemitteln, Pestiziden und Großmaschinen. Die Produktionszuwächse in der Agrarindustrie sind zwar kein Mythos. Sie sind jedoch nicht nachhaltig und können nachweislich den Welthunger nicht eindämmen.

Wenn wir nur die Produktion als einzige veränderlichen Faktor betrachten, ignorieren wir das Potential des Beziehungsnetzes das uns sowohl zwischenmenschlich als auch mit der Natur verbindet und durch das wir bestimmen können, was wir essen.

Durch das Industriemodell verstärkt sich die Konzentration auf einige wenige Großbetriebe, die über immer mehr Land und darauf enthaltene Ressourcen verfügen. Durch diese Konzentration entsteht vielfach Hunger und umfangreiche Umweltzerstörungen. Wie im globalen Süden gilt dies auch für die USA, wo die Zahl der unabhängigen Farmen auf 40% im Vergleich zu 1950 geschrumpft ist. Trotz der gesteigerten Produktionszahlen gilt jeder sechste Amerikaner als vom Hunger bedroht. In Europa sind die Zahlen wesentlich niedriger und liegen bei unter 2,5% der Bevölkerung, in Zentralasien bei 8,3% (Zahlen von 2014-2016 lt. FAO).

Weltweit können wir die Auswirkungen fehlender Nachhaltigkeit daran beobachten, dass der Mutterboden mittlerweile 13-40 mal schneller erodiert, als ihn die Natur wieder erzeugen kann. Die starke Nachfrage nach chemischen Düngemitteln hat zu mehr als 400 Todeszonen in den Meeren geführt. Die Agrarindustrie hat deutlich bewiesen, dass sie keine tragfähige Antwort auf die Frage des Welthungers bietet. Glücklicherweise gibt aber nachweislich erfolgreichere Wege, wie den der Agrarökologie. Durch sie könnte der Welthunger dauerhaft reduziert werde. Auf diese Art würde die Umwelt geschützt und gleichzeitig Verteilungsgerechtigkeit geschaffen, Lebensmittelqualität verbessert und Produktivität gesteigert werden.


4. Mythos: Organische und ökologische Landwirtschaft können die Hungrigen in der Welt nicht versorgen    

In vielen Regionen der Erde haben sich Anbaumethoden, die auf industrielle Pestizide verzichten oder umgehen, als sehr effizient erwiesen. Organischer Anbau oder Agrarökologie genannt, verzichten bewusst auf Chemikalien. Doch ihre Vorteile sind noch weitaus umfangreicher.

Agrarökologie steht für den nachhaltigen Anbau in landwirtschaftlichen Kooperativen, also Zusammenschlüssen von Klein- und Kleinstbauern, durch die außerdem die Würde, das Wissen und die Kompetenz der Einzelnen gestärkt wird. Agrarökologie wendet sich an die Machtlosen, die direkt vom Hunger betroffen sind. Sie verbindet traditionelles Wissen, dass sich seit Jahrtausenden in primitiven und indigenen Gemeinschaften angesammelt hat mit den aktuellsten Erkenntnissen der Wissenschaft. Durch ihren Gemeinschaftscharakter unterstützt sie die Unabhängigkeit von Kleinbauern und fördert die Verteilung der Macht auf viele, besonders auf Frauen.

Manche Studien geben zu bedenken, dass die Agrarindustrie höhere Erträge abwirft, als alternative Ansätze. Die Praxis zeigt jedoch, dass zahlreiche Bauern des globalen Südens, die ökologischen Anbau praktizieren, signifikante Erntezuwächse zu verzeichnen haben. Darüber hinaus fördert dieses Anbaumodell die Verbindung und Interaktion der verschiedenen Akteure und wirft so einen zwischenmenschlichen Ertrag ab, der weitaus höher ist, als lediglich der wirtschaftliche. Es vermeidet nicht nur negative, nicht nachhaltige und gesundheitsschädliche Folgen des Industriemodells, sondern verringert auch die negativen Auswirkungen des Klimawandels. Denn es reduziert einerseits die Abgasemissionen und erhöht andererseits die Kohlenstoffaufnahme des Bodens.

5. Mythos: Wir müssen uns zwischen Fairness und Produktionssteigerung entscheiden

Gerechtigkeit und Produktion stehen nicht im Wettbewerb miteinander, sondern sind zwei sich ergänzende Ziele. Kleine Landwirtschaftsbetriebe im globalen Süden produzieren einen höheren Ertrag je Hektar. Häufig nutzen sie ihr Land effizienter, indem sie unterschiedliche Sorten anbauen und Vieh- oder Fischzucht integrieren, die wiederum mit Ernterückständen gefüttert werden und deren Ausscheidungen als Dünger verwendet werden können.

Kreislaufwirtschaften steigern Gerechtigkeit

Solche Kreislaufwirtschaften können einen höheren Nährwert erzeugen als Monokulturen. Kleine, agrarökologische Betriebe sind üblicherweise energieeffizienter und verbrauchen weniger fossile Brennstoffe. Große kapitalintensive US-Agrarindustriebetriebe verbrauchen vergleichsweise 7-10 Einheiten mehr an fossiler Energie, um lediglich eine Einheit an Nahrungsmittelenergie zu erzeugen.

Zunehmende Geschlechtergleichheit erhöht ebenfalls die Produktivität. Im globalen Süden sind Frauen für 60-80% des Nahrungsmittelanbaus verantwortlich. Dennoch verfügen nur sehr wenige über eigenes Land. Weltweit erhalten Frauen nur 5% der landwirtschaftlichen Beratungen. Wenn Frauen dieselben Zugänge zu Produktionsmitteln hätten wie Männer, könnten ihre landwirtschaftlichen Erträge um 20-30% steigen. Die zusätzlich produzierten Nahrungsmittel könnten weitere 150 Mio. Menschen versorgen. Der einzige Weg zur nachhaltigen Produktionssteigerung führt über ein größeres Mitspracherecht und einer höheren Beteiligung an Erträgen für diejenigen, welche die Arbeit verrichten.

6. Mythos: Ein freier Markt kann den Hunger beenden

Die Parole “ein freier Markt löst all unsere Probleme” ist eine Scheuklappen-Sichtweise. Wir nehmen nicht mehr wahr, dass es nur zu einer gerechten Verteilung kommt, wenn eine demokratische Regierung dahinter steht, da Essen mehr ist, als ein handelbares Gut. Die meisten Staaten haben sich darauf geeinigt, dass der Zugang zu Nahrungsmitteln ein Menschenrecht darstellt. Die Erfüllung eines solchen Rechts sollte also nicht schwankenden Marktkräften überlassen werden. Lebensmittel sind beides: Lebensgrundlage und handelbares Gut. Daher muss eine Regierung sicherstellen, dass jede arbeitsfähige Person genügend Mittel zur Verfügung hat, um sich grundsätzlich gesund zu ernähren und jeder nicht arbeitsfähige Mensch braucht Zugang zu sozialstaatlicher Versorgung.

Freiheit des Marktes bedeutet nicht Freiheit des Menschen

Der Markt dient menschlicher Freiheit nur unter einer Bedingung: Menschen müssen eine bestimmte Kaufkraft besitzen, der ihren Wert im Markt festsetzt. Freiheit kann sich demzufolge nur ausbreiten, wenn eine Gesellschaft Regeln festsetzt, durch die sich Wohlstand gleichmäßig und weiträumig ausbreiten kann. Traurigerweise haben wir unsere Freiheit vor dem “Fluch der Größe” der den fairen Markt untergräbt, nicht ausreichend bewahrt. Oligopole die fast so zerstörerisch wirken wir Monopole entstehen, wenn eine Handvoll Unternehmen einen riesigen Markt unter sich aufteilen. Im Getreidehandel erleben wir derzeit genau das. Vier Unternehmen kontrollieren 90% des Welthandels. Solche monopolartigen Verflechtungen zerstören jeden Wettbewerb und sind oft der Ursprung von Hunger. Das Schlimmste dabei ist, dass eine derartige Machtkonzentration privater Unternehmen öffentliche Entscheidungsprozesse derart beeinflussen, so dass politische Entscheidungen nur noch im Sinne einer elitären Minderheit getroffen werden. Die Macht privaten Vermögens innerhalb der Politik einzuschränken ist also keine Lappalie. Sie bildet die Grundlage, um den Welthunger zu beenden.

7. Mythos: Freihandel ist die Lösung

Die Auffassung dass Handel, der sich frei von Regierungseinflüssen entfalten kann zu einem Rückgang von Welthunger führt, liegt die Annahme zugrunde, dass jedes Land einen gewissen “Wettbewerbsvorteil” besitzt, von dem es profitieren kann. Es sollte die Waren exportieren, die es am besten erzeugen kann und die importieren, die nicht vorhanden sind.

So sollen Länder, die von Hunger und Armut heimgesucht werden, Rohstoffexporte erhöhen, die ihrer Geografie entsprechen. Später, wenn dann ausländische Devisen zurückfließen, können sie Nahrungsmittel und andere lebensnotwendige Güter importieren, um Hunger und Armut zu verringern.

Steigerung von Rohstoffexporten hilft nicht gegen Welthunger

Läge die Lösung in der Steigerung der Exporte, warum boomt in vielen Ländern der Rohstoffexport, während Hunger und Armut weiterhin auf demselben Level verharren oder sich gar verschlimmern? Ein Antwort lautet, dass von den Exporten üblicherweise große Erzeuger, internationale Handelsunternehmen und ausländische Investoren am stärksten profitieren. Leider haben gerade sie das geringste Interesse ihre Profite für das Wohlergehen der Hungernden einzusetzen. Hinzu kommt, dass Exportpflanzen nur allzu oft die Nutzpflanzen verdrängen und die Zahl der Kleinbauern stetig verringern, die weltweit mehrheitlich zu den Hungernden gehören.

Nur wenn alle Bürger das gleiche Stimmrecht haben, wenn es um die Verteilung der nationalen Ressourcen geht, kann dies Armen und Hungrigen zu einem Vorteil verhelfen.

8. Mythos: Entwicklungshilfe ist die beste Möglichkeit, um hungrigen Menschen zu helfen

Um den weltweiten Hunger zu beenden, braucht es umfassende Anstrengungen, damit Menschen, die jetzt machtlos sind, ihre Stimme finden und ein Mitspracherecht an ihrer eigenen Zukunft erhalten.

Mehrheitlich geht Entwicklungshilfe jedoch in die Länder, deren Führung sich von derartigen Veränderungen bedroht fühlen würde. Erschwerend kommt hinzu, dass Entwicklungshilfe – wenig überraschend – oftmals als außenpolitisches Werkzeug dient. Viel wahrscheinlicher dient sie den strategischen nationalen Plänen ihrer Geberländer. So hängt vieles davon ab, wie Entscheidungsträger nationale Interessen definieren.

Die Auswirkungen von 9/11 und dem “globalen Krieg gegen den Terror” entwickelten sich zum Kern US-amerikanischer Außenpolitik. Dadurch konzentrierte man sich auf sehr spezifische Wirtschaftshilfe. Zu den Empfängerländern gehören: Afghanistan, Pakistan, Äthiopien, Jordanien und Irak.

Deutschlands Entwicklungshilfe ist zwar auf über 150 Länder gestreut, jedoch auch nicht gleichmäßig verteilt und nicht uneigennützig. Die größten Hilfen erhalten Pakistan, Indien Palästina, Ghana, Kongo, Mosambik, Kenia, Tansania, Ägypten und Südafrika. Experten schätzen, dass für jede Milliarde an Entwicklungshilfe, 3 Mrd. an Exporten aus Deutschland in das betroffene Land fließen. Kritiker sehen darin auch das größte Manko der Entwicklungshilfe. Von selbstloser Hilfe, die Arme und Hungrige vor Augen hat, sind die Geberländer weit entfernt.

Es gibt jedoch mindestens zwei effektive Wege, um zu helfen.

Wir können Hindernisse entfernen, die Hungernden von unseren Regierungen und von multinationalen Unternehmen in den Weg gestellt wurden und die Kraft positiver Vorbilder nutzen, indem wir unsere eigenen Gesellschaften demokratisieren und für das Thema Welthunger sensibilisieren.

9. Mythos: Es ist nicht unser Problem

In Umfang und Härtegrad der Hungersnöte unterscheidet sich der globale Süden grundlegend vom globalen Norden. Dennoch entdecken wir überraschende Parallelen und Verbindungen. Tiefenbetrachtungen zeigen, dass das Wohlergehen der zukünftigen Generationen davon abhängt, ob wir die Gemeinsamkeiten in ihrer Gänze erfassen und ob wir darauf basierend Entscheidungen treffen.

Hunger, Armut und Ungleichheit stehen beispielsweise in den USA im krassen Gegensatz dazu, was die Mehrzahl der Bevölkerung glauben möchte. Gemessen an der Säuglingssterblichkeitsrate, die ein Spiegel der Armutsgefährdungsquote einer Gesellschaft ist, belegen die USA weltweit den 56. Rang – direkt hinter Serbien und Litauen. Die Ungleichheit in den USA ist noch extremer als in Indien, Liberia und Jemen.

Armut im Ausland führt langfristig auch zu einer Armutsspirale bei uns

In den USA wie auch in Deutschland wird Konsumenten oft direkt oder indirekt vermittelt, dass sie im großen Maße von günstig importierten Gütern profitieren, die aufgrund der niedrigen ausländischen Gehälter “drüben” so preiswert sind. Doch dieser Vorteil ist eine Illusion. Denn gleichzeitig gehen dadurch viele Tausend inländische Arbeitsstellen verloren und der Druck auf einheimische Gehälter, sich dieser Lohn-Abwärtsspirale anzuschließen, steigt. Weltweit agierende Unternehmen leben davon, dass inländische Arbeitskräfte in den Wettbewerb mit ausländischen treten, in deren Ländern jedoch Gewerkschaften unterdrückt und Sicherheits- und Umweltstandards ignoriert werden.

Es ist lebenswichtig, diese gemeinsamen Herausforderungen und Bedürfnisse der Mehrheitsbevölkerungen im Norden wie im Süden abzuwägen und nicht nur die nationalen Errungenschaften zu betrachten. Stattdessen sollten wir abwägen, in welche Richtung sich unsere Gesellschaft bewegen soll. Wir müssen uns fragen (lassen), ob wir uns dafür einsetzen, dass jedem Menschen die Grundvoraussetzungen für ein würdiges Leben gegeben sind oder ob sich unsere Lebensbedingungen in eine Richtung entwickeln, die wir im Moment mit “bedürftigen Ländern” assoziieren?

10. Mythos: Die Macht ist bereits zu konzentriert, um etwas zu verändern. Es ist zu spät!   

Es ist sicherlich kein Mythos, dass sich die Wirtschaftskraft in den Händen einiger Weniger bündelt und dass diese Macht Einfluss auf die Politik nimmt. Es hat den Anschein, als würden wir uns wieder in ein feudales System zurückbewegen, allerdings in einen unternehmergeführten Feudalismus. Doch woran ist in der Vergangenheit der Feudalismus zugrunde gegangen?

Menschen haben aufgehört, daran zu glauben!

Kann es sein, dass wir uns in einer Zeit befinden, in der die Menschen weltweit scheinbar gegebene wirtschaftliche und politische Zustände nicht mehr als unveränderbar hinnehmen?

Unzufriedenheit mit dem Status Quo ist der Antrieb für Veränderungen

Grundlegende Umwälzungen entstehen, wenn ganz normale Menschen sich ihrer eigenen Handlungsfähigkeit bewusst werden und dass sie die Macht besitzen, Dinge zu verändern. Unsere Macht wächst und schrumpft, je nach Maß unserer Kreativität, Erkenntnis, Standhaftigkeit, Wissen und der Fähigkeit zur Empathie, Verlangen, Verbundenheit mit anderen und vielen anderen mehr.

Macht besteht aus wesentlich mehr als aus Geld und Waffen. Unsere innere Stärke wird zunehmen, wenn wir begreifen, dass in einer verbundenen Welt jede unserer Handlungen Macht hat.

Durch diese Erkenntnis verstehen wir, dass es einfach unmöglich ist, zu ermessen, was möglich sein wird. Wir können alle zahllose Beispiele aufzählen, in denen Menschen das scheinbar Unmögliche eines Tages zustande brachten.

In dieser Zeit ist Mut der Schlüssel. Teil der Lösung zu sein bedeutet Risiken auf sich zu nehmen. Dazu gehört, sein eigenes Denken und das der anderen zu hinterfragen und bestehende Situationen nicht als unverrückbar hinzunehmen. Wir können von den Beispielen vieler mutiger Menschen lernen, die eigentlich machtlos erschienen und dennoch demokratische Lösungen entwickelten, um sinnloses Leid zu beenden und in lebensfördernde Gesellschaften zu verwandeln.

Haben wir den Mut es Ihnen gleich zu tun, umwirklich etwas zu verändern?

Autor: Marco Schnell

Quellen:

In Anlehnung an den Artikel “World Hunger: 10 Myths”

FAO

Deutsche Entwicklungshilfe


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